Dienstag, 9. April 2013

Lesewurm Kalle # 4

Der Pferdejunge - Die Heilung meines Sohnes


Geschrieben hat dieses Buch Rupert Isaacson - Journalist und Vater von Rowan.
Rowan ist Autist und lässt seinen Vater oft verzweifeln. Wie gerne würde Rupert zu seinem Sohn durchdringen - doch die Welt seines Sohnes bleibt ihm verschlossen.

Als Vater und Sohn eines Tages einen Spaziergang unternehmen, kamen sie an der  Pferdekoppel des Nachbarns vorbei. Bevor Rupert reagieren konnte, war Rowan durch den Zaun geschlüpft und stand in Mitten der Pferdeherde. Und dann geschah etwas magisches:

"Lachend vor Begeisterung warf er sich auf den Boden, direkt vor die Alphastute [...] namens Betsy. [...] Ich kannte diese Stute. Sie ließ sich ruhig reiten, war aber den anderen Pferden gegenüber notorisch gereizt und außerdem deren unbestrittener Chef. Eine von denen, die nicht lange fackeln, einem lästigen Herdenmitglied zwei Hufe ins Gesicht zu pflanzen [...].
Sie stand reglos da, genau wie die anderen vier Pferde [...]. Sie senkte den Kopf zu Rowans weicher, zappelnder Gestalt und kaute ab - das Zeichen von Unterwerfung bei Pferden." (Zitat)

Nach diesem Erlebnis beschloss Rupert, gemeinsam mit Rowan Betsy zu reiten. Die Ausritte waren eine Art Zeitfenster, in den Rowans Welt mit der "normalen" Welt verschmolz.
Rupert wurde klar, dass das Pferd eine Art Brücke - vielleicht sogar mehr eine Art Dolmetscher - zwischen ihm und seinem Sohn war.

Durch seine vielen Reisen als Journalist und seinem großen Engagement für die Belange der Buschmänner aus der Kalahari-Wüste hatte er Bekanntschaft mit diversen Heilern gemacht.
In ihm wuchs der Wunsch, eine abenteuerliche Reise zu unternehmen. Und dann war es soweit:
Er reiste mit Rowan und seiner Frau Kirstin in die Mongolei, wo Pferde und schamanisches Heilen miteinander verbunden sind.

Was er sich dort erhoffte?
"Ich hatte schon seit langem aufgehört, mir seinen Autismus wegzuwünschen, denn er war Teil seines Wesens. Aber ich wollte seine Heilung. Wenn es etwas gab, um das Kirstin und ich die Schamanen bitten wollten, dann das: dass er klotrainiert zurückkam, nicht länger diesen Anfällen ausgeliefert war und dass sein Nervensystem aufhörte, zu wüten." (Zitat)

... Was er aber schließlich erlebte, übertraf selbst seine kühnsten Erwartungen.


Dieses Buch ist sehr bewegend, vor allem weil Rupert Isaacson nichts verschönert, sondern auch seine Wut, seine Ängste und seine Hilflosigkeit ehrlich und ohne Umschweife beschreibt. Es lässt den Leser spüren, wie man als Eltern an seine Grenzen stößt. Aber eine sehr wichtige Botschaft dieses Buches ist es, nicht zu kapitulieren, sondern für seine Träume und Überzeugungen auch mal Risiken einzugehen.


Der Daily Telegraph schreibt: "Ein Triumph des menschlichen Geistes und eine elegante, berührende Erzählung" (Quelle: Buchrücken)

 

Fischer Verlag - ISBN 978-3-8105-1068-6 

 
Ich möchte noch etwas ergänzen, da das Wort Heilung evtl. zu Missverständnissen führen kann. Mit Heilung ist nicht gemeint, Rowan vom Autismus zu heilen sondern von seinen Anfällen. Rowans Eltern sehen es als Heilung an, dass ihr Sohn nicht mehr von Anfällen gequält wird und dass er einen Zugang zu anderen Kindern gefunden hat. Denn das ist es, was sie sich für ihren Sohn so sehnsüchtig gewünscht haben - ein wenig Normalität.







1 Kommentar:

  1. Would love to read this book.I remember how wonderful horse riding was for many of the disabled children I taught.

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